1996 als Pionierin gestartet, baut HIN heute ihre Plattform grundlegend neu auf. Mit dem Phoenix-Projekt entstehen moderne, skalierbare und sichere Infrastrukturen für die digitale Zusammenarbeit und Kommunikation im Schweizer Gesundheitswesen – zukunftsfähig, resilient und auf die Bedürfnisse der Gesundheitsfachpersonen ausgerichtet.
1996 begann bei HIN alles als kleines Unternehmen mit einer grossen Vision: sichere und einfache Kommunikation im Schweizer Gesundheitswesen zu ermöglichen, damit es mit der Digitalisierung Schritt halten und davon profitieren kann.
Nach rund 25 Jahren hat sich die HIN Plattform als unser technologisches Herzstück organisch weiterentwickelt und erweitert. Gleichzeitig sind jedoch erste Schwierigkeiten mit veralteten Systemkomponenten aufgetreten, die die notwendigen Weiterentwicklungen gebremst haben. So wie Smartphones nach einigen Jahren veralten, wurden auch einzelne Komponenten der HIN Plattform zunehmend obsolet oder nicht mehr wartbar.
Wir haben uns gefragt: weiter flicken oder mutig neu denken?
Und haben uns für die zweite Option entschieden. So haben wir das Phoenix-Projekt ins Leben gerufen. Wir bauen die HIN Plattform neu auf und setzen dabei auf skalierbare State-of-the-Art-Technologien. Gleichzeitig modernisieren wir unsere Organisation und Prozesse, um die neue Plattform nachhaltig und zukunftssicher betreiben zu können.
Ein mutiges Vorhaben
Das Phoenix-Projekt wurde nicht allein durch die veralteten Systemkomponenten der Plattform ausgelöst. Auch veränderte Bedürfnisse der Gesundheitsfachpersonen sowie neue Dynamiken im Gesundheitswesen spielten eine entscheidende Rolle.
Die HIN Plattform wurde zur Jahrtausendwende für die damaligen Anforderungen an die digitale Kommunikation und mit den damals verfügbaren Technologien entwickelt. Wir haben Pionierarbeit geleistet, indem wir den sicheren und datenschutzkonformen E-Mail-Verkehr im Gesundheitswesen etabliert haben. Heute haben sich die Anforderungen und Möglichkeiten grundlegend verändert: Patientendaten müssen ortsunabhängig und sicher ausgetauscht werden, während dezentrale Ver-sorgungsmodelle, Ambulantisierung und neue regulatorische Rahmenbedingungen wie die staatliche E-ID das digitale Gesundheitswesen prägen. Gleichzeitig stehen heute auch modernere Mittel zur Verfügung, um Gesundheitsfachpersonen und organisationen digital zu unterstützen. Für HIN bedeutet es einen Paradigmenwechsel hin zu modernen Technologien wie zum Beispiel Self-Sovereign Identity (SSI), einem Ansatz, bei dem Nutzerinnen und Nutzer ihre digitale Identität sowie ihre Daten selbst verwalten und kontrollieren können. Um diesen Paradigmenwechsel umzu- setzen und die Plattform nachhaltig zu betreiben, orientieren wir uns an diese Prinzipien:
- Digitale Souveränität: Kontrolle über Daten behalten und die digitale Infrastruktur selbstbestimmt und unabhängig gestalten
- Swissness: Betrieb und Datenhaltung in der Schweiz
- Cloud-Fähigkeit: für eine skalierbare und flexible Infrastruktur
- Zero Trust: Es wird keinem System oder Gerät automatisch vertraut
- Privacy by Design: Datenschutz ist ein integraler Bestandteil unserer Architektur
Während wir die neue Plattform aufbauen, müssen wir die bestehende weiterhin betreiben. Diese Zweispurigkeit stellt eine Herausforderung dar, erhöht die Komplexität und bindet über mehrere Jahre hinweg finanzielle und personelle Ressourcen.
Erste Erfolge
Der Startschuss ist 2023 gefallen. Seither haben wir bereits wichtige Meilensteine erreicht. Wir haben die bestehende Plattform stabil weiterbetrieben, während wir gleichzeitig eine neue Plattform aufgebaut haben, auf der wir Anwendungen flexibel und skalierbar bereitstellen können.
Diese neue Infrastruktur wurde teilweise an das Secure Swiss Health Network (SSHN) angebunden, ein besonders geschütztes Netzwerk für das Gesundheitswesen. Dadurch weisen die Anwendungen eine deutlich höhere Systemverfügbarkeit und Resilienz des Netzwerks auf und sind darüber hinaus auch sehr effizient vor DDoS-Cyberangriffen geschützt.
2025 haben wir HIN Mail Global durch eine neue Lösung ersetzt, die auf der neuen Plattform läuft. Damit gehören HTML-Anhänge an Patientinnen und Patienten der Vergangenheit an. Die neue Lösung ist benutzerfreundlicher und wird intensiver genutzt: Inzwischen werden über die neue Plattform monatlich mehr als eine halbe Million E-Mails an Patientinnen und Patienten versendet.
Mit den neu eingesetzten Technologien können wir schnell und flexibel auf Kundenbedürfnisse eingehen. Dank moderner Monitoring- und Observability-Tools sind wir in der Lage, die Verfügbarkeit der Services in Echtzeit zu überwachen, Störungen frühzeitig zu erkennen und Releases bei Bedarf schnell zurückzurollen, ohne dass die Benutzerinnen und Benutzer es bemerken.
Der Wandel beschränkt sich aber nicht nur auf die Technologien. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um HIN auch organisatorisch und methodisch entlang der agilen Arbeitsweise weiterzuentwickeln.
Und so geht es weiter
Das Phoenix-Projekt läuft voraussichtlich bis Ende 2027. Bis dahin werden wir alle Kernkomponenten auf die neue Plattform migrieren oder ablösen. 2026 werden wir zum Beispiel ein neues HIN Gateway auf Basis von SSI-Prinzipien einführen. Dadurch können künftig nicht nur E-Mails, sondern auch strukturierte Daten und grosse Datenmengen effizient ausgetauscht werden.
Was nach dieser «Operation am offenen Herzen» von HIN bleibt, ist eine vollständig erneuerte und zukunftsfähige Infrastruktur und Organisation. Für die HIN Community bedeutet dies, dass sie auch in einem zunehmend dezentral vernetzten Gesundheitswesen sicher und effizient digital kommunizieren und zusammenarbeiten kann – per E-Mail, Video, Kurznachrichten, Signatur oder E-Rezept.
Wenn Gesundheitsfachpersonen ihre Arbeit ungestört und noch effizienter erledigen können, hat das Projekt sein Ziel erreicht. Unsere Rolle als Partnerin für den sicheren Datenaustausch im Schweizer Gesundheitswesen bleibt auch in Zukunft zentral, insbesondere als Baumeisterin einer Basisinfrastruktur, auf der nationale Initiativen wie das E-GD und der SwissHDS aufbauen können.