Miguel Rodriguez und Attila Fekete

HIN Talk mit Threema – eine starke Partnerschaft für mehr digitale Souveränität

David Umiker
David Umiker

HIN steht für sichere Kommunikation und Zusammenarbeit im Schweizer Gesundheitswesen, Threema für Sicherheit und Datenschutz in der Instant-Messaging-Kommunikation. Gemeinsam haben die beiden Schweizer Unternehmen HIN Talk weiterentwickelt, einen datenschutzkonformen Dialog-Service für das Gesundheitswesen. Interview mit Miguel Rodriguez, CRO von Threema, und Attila Fekete, COO von HIN.

Wie trägt die Zusammenarbeit von HIN und Threema zur digitalen Souveränität des Schweizer Gesundheitswesens bei? Können digitale Lösungen sicher und trotzdem einfach sein? Und wie stellt ein so kleines Land wie die Schweiz digitale Souveränität sicher? 

Diese und ähnliche Fragen haben wir im Rahmen unseres Videopodcasts «HINside – unterwegs im digitalen Gesundheitswesen» mit Miguel Rodriguez, CRO von Threema, und Attila Fekete, COO von HIN, beleuchtet. Und natürlich haben wir auch über HIN Talk und dessen Nutzen für das Schweizer Gesundheitswesen gesprochen. In diesem Beitrag greifen wir einige der spannenden Diskussionspunkte auf.

Möchten Sie das ganze Interview hören? Sehen Sie sich unseren Videopodcast an:

Wie entstand die Partnerschaft zwischen HIN und Threema?

Attila Fekete:
Bereits vor mehr als fünf Jahren lancierte HIN die Messenger-Lösung HIN Talk, damals noch als Eigenentwicklung. Die Idee dahinter: eine Art WhatsApp für Ärztinnen und Ärzte. 2023 kamen wir zu dem Schluss, dass wir die bestehende Lösung überarbeiten mussten. Also haben wir uns die Frage gestellt: Sollen wir die neue Lösung wieder selbst entwickeln oder mit einem starken Partner zusammenarbeiten? Besonders wichtig war uns in diesem Kontext, dass der Partner unsere Werte bezüglich Datensicherheit, Datenschutz und Privatsphäre teilt. In der Folge haben wir verschiedene Firmen angeschaut und sind – unabdingbar in der Schweiz – auch auf Threema gestossen. Threema hat dann von sich aus den Kontakt zu uns aufgenommen. gestossen.

Miguel Rodriguez:
Ich war an einer Konferenz zum Thema SCION, ein sicheres Kommunikationsprotokoll, das an der ETH Zürich entwickelt wird. Während der Präsentation der Verantwortlichen erfuhr ich, dass HIN ebenfalls mit SCION kooperiert und sichere Kommunikation für das Gesundheitswesen anbietet. Da kam mir sofort die Idee, Threema OnPrem im Gesundheitswesen hinter SCION zu platzieren. Aufgrund dieser Idee habe ich mit HIN Kontakt aufgenommen – und meine Idee kam gut an.

Attila Fekete:
Für HIN ist Swissness zentral, es ist Teil unserer DNA. Wir bieten Lösungen für das Schweizer Gesundheitswesen und müssen regulatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen folgen. Entsprechend ist Swissness bei uns nicht nur im Markennamen, sondern auch in der Umsetzung relevant. Datenhaltung in der Schweiz ist bei uns ein zentraler Punkt. Das ist einer der Gründe, weshalb es zwischen HIN und Threema sehr gute Gespräche gab.

«Für HIN ist Swissness zentral. Es ist Teil unserer DNA.»
Attila Fekete
Attila Fekete COO, HIN

HIN Talk – der sichere Messenger für das Gesundheitswesen

Mit HIN Talk können Gesundheitsfachpersonen Nachrichten an andere HIN Mitglieder senden, Dateien austauschen und Audio- und Videokonferenzen durchführen. Die Lösung basiert auf der Technologie von Threema – und ist somit sicher und datenschutzkonform. 

Lernen Sie HIN Talk kennen

Messenger-Dienste internationaler Anbieter gibt es viele, auch weit verbreitete Lösungen wie WhatsApp. Wie schafft es eine kleine Schweizer Lösung, sich zu etablieren?

Miguel Rodriguez:
Lange Zeit war die Abhängigkeit von internationalen Anbietern gross, weil viele Firmen die Einfachheit suchten und die bekanntesten Lösungen wählten. Technologisch mischte die Schweiz allerdings schon immer an der Spitze mit, und es gab hierzulande stets gute Lösungen und Alternativen – man musste nur auf diese setzen. Ich glaube, hierfür hat es eine Art Weckruf gebraucht, den es nun dank den USA gegeben hat. Viele Unternehmen und auch Privatpersonen schauen heute genauer hin und erkennen die Abhängigkeit von grossen, internationalen Tech-Konzernen. Ich diskutiere mit vielen unserer Kunden darüber, dass die USA etwa nur die Azure-Cloud, die AWS-Cloud und die Google-Cloud abschalten muss, wenn sie wirklich Streit will. Was würde dann passieren? Wie würden wir kommunizieren? Und welche Dienste würden noch funktionieren? 

Da sind wir beim Stichwort «Digitale Souveränität», das seit einiger Zeit in aller Munde ist. Was bedeutet es?

Attila Fekete:
Souveränität bedeutet Kontrolle, respektive die Fähigkeit, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Bezogen auf den digitalen Bereich heisst es also, dass du die Kontrolle hast über deine Daten und die Datenhaltung. Du hast die Kontrolle darüber, welche Technologie eingesetzt wird. In diesem Zusammenhang sind Open-Source-Technologien oftmals relevant. Und was für mich auch zentral ist: Du hast die Kompetenz, etwas zu steuern oder zu handhaben.

Miguel Rodriguez:
Ich sehe es genauso wie Attila: keine Abhängigkeiten haben und frei wählen können, wo man seine Daten speichert – zum Beispiel in der eigenen Cloud, wie es bei HIN Talk der Fall ist. Digitale Souveränität bedeutet, dass man die Datenhaltung selbst steuern kann und dass die eigenen Daten nicht von Fremden eingesehen werden können. Open Source ist dabei in jedem Fall zentral.

Attila Fekete:
Man muss in gewisser Weise auch realistisch sein: Die Schweiz ist kein grosses Land, sie hat einen begrenzten Markt. Das heisst, man muss sich überlegen, in welchen Bereichen es wichtig ist, digital souverän zu sein. Wir werden dies womöglich nicht in allen Bereichen erreichen können, aber zumindest dort, wo wir es mit sensiblen oder besonders schützenswerten Daten zu tun haben. Also dort, wo der Datenschutz eine zentrale Rolle spielt und unsere rechtlichen und regulatorischen Anforderungen wichtig sind.

«Keine Abhängigkeiten haben und frei wählen können, wo man seine Daten speichert, das sind wichtige Aspekte digitaler Souveränität.»
Porträt Miguel Rodriguez CRO, Threema
Miguel Rodriguez CRO, Threema

Sowohl bei HIN als auch bei Threema spielen Sicherheit und Datenschutz eine zentrale Rolle. Doch können sichere Lösungen auch einfach und benutzerfreundlich sein?

Miguel Rodriguez:
Threema war von Anfang an im Consumer-Bereich unterwegs und bietet die App für Privatpersonen an. Für diese Zielgruppe sind einfache Lösungen mit einer guten Usability enorm wichtig. Darum ist dies in unserer DNA verankert. Wenn wir Lösungen für Unternehmen oder Behörden entwickeln, fliesst es selbstverständlich mit ein. Eine Lösung kann noch so sicher sein, wenn sie zu kompliziert ist, werden andere, weniger sichere Lösungen genutzt. Ich denke, Threema ist deshalb einfach geblieben, weil wir einerseits sehr stark auf Nutzbarkeit ausgerichtet und andererseits sehr marktorientiert sind. Wir sprechen häufig mit unseren Kunden und tauschen uns mit Advisory Boards aus. Für uns ist das ein grundlegender Baustein für den Erfolg unserer Lösungen.

Attila Fekete:
Bei HIN Talk gibt es bezüglich Einfachheit zwei Aspekte: den Onboarding-Prozess und die darauffolgende Nutzung. Beim Onboarding-Prozess haben wir den Vorteil, dass alle HIN Mitglieder bereits über persönliche elektronische Identitäten verfügen. Die Identifikation ist somit bereits erfolgt und muss nicht erneut durchgeführt werden. Was die Nutzung betrifft, ist es gerade im Gesundheitswesen sehr wichtig, dass die Lösung in die täglichen Arbeitsabläufe integriert werden kann und die Nutzer etwa nicht noch einen zusätzlichen Klick ausführen oder eine zusätzliche App öffnen müssen. Zwar ist HIN Talk eine zusätzliche App, aber – und das ist ganz wichtig – man wird auch die Möglichkeit haben, sie in die Primärsysteme der Gesundheitsfachpersonen integrieren zu lassen. Das war eine Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit Threema. 

«Eine Lösung kann noch so sicher sein, wenn sie zu kompliziert ist, werden andere, weniger sichere Lösungen genutzt.»
Porträt Miguel Rodriguez CRO, Threema
Miguel Rodriguez CRO, Threema

Was bringt die Zukunft? Wie wird sich HIN Talk weiterentwickeln?

Attila Fekete:
HIN Talk ist und bleibt ein Instant-Messaging-Service für Gesundheitsfachpersonen, also eine Art WhatsApp für das Gesundheitswesen. Doch die Art und Weise der Kommunikation und des Dialogs hat sich in den letzten Monaten und Jahren weiterentwickelt: Man möchte nicht mehr nur tippen, sondern das Gegenüber auch sehen. Und man möchte vielleicht auch Dokumente austauschen. Entsprechend dieser Tendenzen möchten wir unsere Lösung weiterentwickeln. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Überwindung der Grenze zwischen Fachpersonen und Patientinnen und Patienten. Letztere spielen in Zukunft eine immer wichtigere Rolle. Deshalb soll HIN Talk künftig auch für den Austausch mit Drittpersonen ohne HIN genutzt werden können.

Miguel Rodriguez:
Um es etwas genauer zu sagen: Mit HIN Talk kann man heute schon Ende-zu-Ende-verschlüsselt telefonieren, sowohl bei 1:1-Gesprächen als auch in Gruppen. Ich glaube jedoch, dass es heute auch ein Bedürfnis ist, dass sich Patientinnen und Patienten schnell und einfach mit ihren Ärztinnen und Ärzten austauschen können – und zwar sicher und geschützt. Zusätzlich hinzukommen wird bei HIN Talk deshalb die Möglichkeit, jemandem einen Link zu einem Anruf zu schicken. So werden Gesundheitsfachpersonen auch externe Personen in eine Besprechung einladen und sich sicher per Video mit ihnen austauschen können. 

Attila Fekete:
Aus dem Gesundheitsmarkt wissen wir zudem, dass viele Gesundheitsfachpersonen in der täglichen Arbeit nicht mit dem Smartphone arbeiten, sondern eine Desktop-Lösung bevorzugen. Deshalb ist auch eine Desktop-only-Version in Planung, mit der sich HIN Talk einfach auf dem Desktop nutzen lässt, ohne dass eine Kopplung an ein Smartphone erforderlich ist.

Miguel Rodriguez:
Und last but not least: HIN hat auch eine spannende Partnerschaft mit Alpine AI, und wir planen, basierend darauf, künftig künstliche Intelligenz in HIN Talk einzubinden. Wir haben also noch viel vor mit HIN Talk.

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David Umiker
Autor: David Umiker - Marketing- & Kommunikationsmanager

Als grosser Fan von Podcast- und Talk-Formaten freut es mich sehr, Ihnen unsere Themen im HIN Blog auf diesem Weg näher zu bringen. Bei HIN dreht sich alles um sichere digitale Kommunikation im Schweizer Gesundheitswesen – ein wichtiges Thema, das aber nicht immer leicht greifbar und verständlich ist. Mit anschaulichen Beispielen und auf eine lockere Art und Weise versuche ich diese vielschichtigen Aspekte und Facetten adressatengerecht zu vermitteln.

Expertise
Nachdem ich vielfältige Erfahrungen in der Sport- und Medienwelt sammeln konnte, unter anderem in einer Podcast-Agentur, bin ich seit 2023 in der Kommunikation im Gesundheitswesen tätig und lerne jeden Tag dazu. Bei HIN kann ich meine Erfahrungen zusammenbringen und immer wieder Brücken zwischen der Experten- und Laienperspektive schlagen. Es ist mir wichtig, der Ärzteschaft und anderen Gesundheitsfachpersonen die teils komplexen IT-Themen einfach und verständlich aufzuzeigen.

Redaktionelle Inhalte
Als Marketing- & Kommunikationsmanager und Moderator des Podcasts «HINside – unterwegs im digitalen Gesundheitswesen» präsentiere ich Ihnen im HIN Blog unsere Podcast-Folgen aus allen Themenbereichen, mit denen HIN in Kontakt ist: IT, Gesundheitswesen und Politik.

Ganz persönlich
Während ich im Job viel mit Bildschirmen und Social Media zu tun habe, liebe ich es in meiner Freizeit, mich mit Büchern, der Natur und Sport zu beschäftigen. In den letzten Jahren habe ich auch gelernt, was Achtsamkeit bedeutet. So suche ich mir heute im Alltag immer wieder stille Moment für mich zum Innehalten und Geniessen.

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