Interview mit Fiona Waser

HINter den Kulissen #23: Von der Pflege in die IT mit Fiona

Nathalie Raths
Nathalie Raths

Als Fiona Waser in der Akutpflege arbeitete, war ihr Alltag durch Nähe geprägt: Nähe zu Patientinnen und Patienten, zu Schicksalen, zu Verantwortung. Heute beschäftigt sie sich mit Datenflüssen, Systemarchitekturen und Produktstrategien. Der Wechsel von der Pflege in die IT war für sie kein Ausstieg aus dem Gesundheitswesen, sondern ein Perspektivenwechsel.

Fiona Waser

Fiona Waser studiert Medizininformatik an der ZHAW in Winterthur und arbeitet parallel dazu als Produktmanagerin bei HIN.

HIN: Fiona, du hast mehrere Jahre in der Akutpflege gearbeitet. Heute, zwei Jahre später, bist du Produktmanagerin in einer IT-Firma. Wie kam es dazu?

Ich habe meinen Beruf nie grundsätzlich infrage gestellt. Die Pflege ist sinnstiftend und sehr direkt. Gleichzeitig merkte ich zunehmend, wie stark der Arbeitsalltag durch strukturelle Faktoren bestimmt ist, die man selbst kaum beeinflussen kann. Dokumentationssysteme, Medienbrüche, doppelte Erfassungen – vieles kostet Zeit, ohne einen unmittelbaren Mehrwert für die Patientinnen und Patienten zu schaffen. Irgendwann stellte ich mir die Frage, ob ich nicht dort ansetzen möchte, wo diese Rahmenbedingungen entstehen.

Das heisst, du wolltest vom Ausführen ins Gestalten wechseln?

Ja, so kann man es sagen. In der Pflege reagiert man auf bestehende Strukturen. Mich begann zu interessieren, wer diese Strukturen entwickelt und nach welchen Kriterien. Wenn digitale Systeme unpraktisch sind, hat das konkrete Folgen im Alltag. Das wollte ich besser verstehen – nicht aus technischer Neugier allein, sondern aus fachlicher Verantwortung

Hattest du denn vor dem Studium denn schon Berührungspunkte zur IT-Welt?

Nein, ich bin völlig ins kalte Wasser geworfen worden. Technologie interessiert mich sehr, aber es ist nicht so, dass ich daheim programmiert habe.

Und jetzt? Zählst du Programmieren zu deinen Hobbys?

Also… Ja. (Sie schmunzelt)

Der Schritt in diese komplett andere Branche war bestimmt nicht leicht zu gehen. Wie gross war die Hemmschwelle für dich?

Sie war da. Ich wusste, dass ich bei null beginne. Gleichzeitig habe ich mir gesagt: Fachliches Wissen kann man sich aneignen. Entscheidender ist, ob man bereit ist, sich darauf einzulassen. Rückblickend hat mir mein Hintergrund geholfen. In der Pflege lernt man, strukturiert zu denken, Prioritäten zu setzen und auch unter Druck präzise zu arbeiten. Diese Kompetenzen sind in der IT nicht weniger relevant.

Was fordert das Studium besonders?

Die Interdisziplinarität. Man bewegt sich ständig zwischen Technik, Medizin und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen. Programmieren ist zentral, ebenso das Verständnis dafür, wie Daten sicher ausgetauscht werden. Gleichzeitig geht es darum, Prozesse zu analysieren und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln. Dieses Zusammenspiel ist anspruchsvoll, aber genau darin liegt der Reiz.

Du studierst an der ZHAW und arbeitest gleichzeitig bei HIN. Warum diese Doppelbelastung?

Weil Theorie und Praxis sich gegenseitig schärfen. Im Studium lerne ich Modelle und Konzepte. Bei HIN sehe ich, wie sie unter realen Bedingungen funktionieren – oder eben nicht. Diese Rückkopplung ist für mich sehr wertvoll. Natürlich gibt es Phasen, in denen es intensiv ist. Dann setze ich klare Prioritäten. Mir ist wichtig, bewusst zwischen Leistung und Erholung zu wechseln.

Wie würdest du deine Rolle bei HIN beschreiben? Ich kann mir vorstellen, dass dein Hintergrund als Pflegefachperson wertvoll für die IT-Welt ist?

Ich verstehe mich als Bindeglied zwischen medizinischer Praxis und technologischer Entwicklung. Meine Erfahrung aus der Pflege hilft mir, Anforderungen präzise zu formulieren und kritisch zu hinterfragen. Nicht jede technisch mögliche Lösung ist im Alltag auch sinnvoll. Im Gesundheitswesen ist die Toleranz für zusätzliche Komplexität gering. Systeme müssen verlässlich, intuitiv und effizient sein.

Hat sich dein Blick auf die Pflege durch das Studium verändert?

Ja. Ich sehe heute klarer, wie stark gute oder schlechte IT-Strukturen den Berufsalltag prägen. Gleichzeitig habe ich grossen Respekt vor der Arbeit auf der Station. Digitalisierung kann unterstützen, aber sie ersetzt keine fachliche Kompetenz und keine menschliche Zuwendung. Sie sollte Rahmenbedingungen verbessern, nicht zusätzliche Belastung erzeugen.

Technische Studiengänge sind weiterhin männerdominiert. Erlebst du das als Hürde?

Ich nehme es wahr, aber nicht als Hindernis. Entscheidend ist die fachliche Qualität der Arbeit. Gleichzeitig ist Vielfalt wichtig. Unterschiedliche Lebens- und Berufserfahrungen führen zu anderen Fragestellungen – und oft zu besseren Lösungen. Gerade im Gesundheitswesen braucht es diese Perspektivenvielfalt.

Was würdest du jungen Frauen sagen, die einen ähnlichen Schritt erwägen?

Man muss nicht dem klassischen Bild einer Informatikerin entsprechen, um in der IT erfolgreich zu sein. Unterschiedliche Hintergründe sind kein Nachteil, sondern eine Stärke. Wer bereit ist zu lernen und Verantwortung zu übernehmen, sollte sich nicht von Zuschreibungen bremsen lassen. Fachliche Kompetenz entsteht durch Engagement, nicht durch Stereotype.

Würdest du deinen Weg wieder so wählen?

Ja. Die Pflege hat mir ein solides Fundament gegeben. Sie hat mich gelehrt, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen zu treffen, die unmittelbare Auswirkungen haben. Das Studium eröffnet mir nun neue Gestaltungsmöglichkeiten. Für mich gehört beides zusammen.

Wie siehst du die Zukunft der Digitalisierung im Gesundheitswesen?

Ich wünsche mir Systeme, die stärker vom Bedarf der Anwenderinnen und Anwender her gedacht sind. Automatisierte Dokumentation, strukturierte Daten und ein reibungsloser Informationsaustausch können Fachpersonen deutlich entlasten. Entscheidend ist jedoch die Zielsetzung: Digitalisierung sollte mehr Zeit für die Arbeit am Menschen schaffen – nicht neue administrative Hürden.

Über Fiona Waser

Fiona Waser ist ausgebildete Pflegefachfrau, hat in der Akutbehandlung im Kantonsspital Zug gearbeitet und war für die Spitex tätig. Heute studiert sie Medizininformatik an der ZHAW Winterthur und arbeitet bei HIN als Produktmanagerin. Besonders spannend findet sie die Verbindung zwischen Gesundheitswesen und Technologie – genau dort sieht sie grosses Potenzial, um den Alltag für Fachpersonen zu verbessern. Sie ist ein sehr aktiver Mensch und verbringt ihre Freizeit am liebsten in der Natur oder beim Sport.

Nathalie Raths
Autor: Nathalie Raths - Leiterin HR

Als HR-Verantwortliche präsentiere ich Ihnen nicht nur aktuelle Fakten zu wichtigen Arbeitgeberthemen bei HIN, sondern stelle Ihnen auch unsere Mitarbeitenden in Interviews vor. Selbstverständlich informiere ich Sie auch über unsere offenen Vakanzen. Geniessen Sie mit mir einen Einblick hinter die Kulissen bei HIN und einen Eindruck, wie es sein kann, Teil unseres Teams zu sein.

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Seit über neun Jahren engagiere ich mich bei HIN und und bringe seit mehreren Jahren meine Expertise als Leiterin HR ein. Um HIN aufs Next Level zu heben, ist es mir ein besonderes Anliegen, die passenden Kolleginnen und Kollegen zu gewinnen. Neben meinen Verantwortlichkeiten fürs Personalwesen, der Leitung von HR-Projekten sowie der Organisation von VR-, GV- und Aktionärssitzungen bin ich auch für diverse Events zuständig. Besonders wichtig ist es mir, stets eine offene Tür für alle HIN Mitarbeiter zu haben und den internen Zusammenhalt zu fördern.

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Privat liebe ich idyllische Spaziergänge in der Natur oder aufregende Wanderungen in den Bergen. Auch das Reisen und Entdecken von neuen Kulturen und Länder gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen genauso wie die Musik.

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