Zukunft Gesundheitswesen

Gemeinsam für das Gesundheitswesen: ELCA und HIN bündeln ihre Kräfte in der HIN Identität

Patrik Schnellmann
Patrik Schnellmann

Die HIN Identität (HIN eID) ist im Schweizer Gesundheitswesen das am weitesten verbreitete Mittel, um sich als Fachperson online eindeutig auszuweisen und ohne zusätzliches Login auf viele nützliche Anwendungen zuzugreifen. Künftig spannt HIN für die HIN Identität mit dem Schweizer Technologieunternehmen und Herausgeberin der TrustID ELCA zusammen. Die sichere HIN eID erreicht damit in Sachen Vertraulichkeit ein noch höheres Level und festigt sich im Schweizer Gesundheitswesen als einfaches digitales Identifikations- und Login-Mittel für die Zukunft.

Kennen Sie die Staumauer Grande Dixence im Wallis? Dieser riesige Damm hängt eng mit der neuen Technologiepartnerin von HIN zusammen: ELCA. Knapp 60 Jahre ist es her, als 1968 ELCA die erste rechnergestützte Prozesssteuerung für die Grande Dixence entwickelte. Mittlerweile bringt ELCA nicht nur den Energiesektor digital vorwärts, sondern längst profitiert auch das Gesundheitswesen von der grossen Expertise der Firma mit Sitz in Pully/Lausanne.

Das Unternehmen betreibt die Identitätsplattform TrustID, die im Gesundheitswesen vor allem für den Zugang zum elektronischen Patientendossier (EPD) bekannt ist. Neu wird auch HIN die Technologie von ELCA für Identifizierungs- und Authentisierungsprozesse bei der HIN Identität nutzen.

Wir freuen uns deshalb sehr, der HIN Community unsere neue Partnerin vorzustellen, und haben mit Christophe Gerber, General Manager von ELCASecurity, über die Hintergründe der Zusammenarbeit, aktuelle Neuerungen und künftige Entwicklungen gesprochen.

Portraitbild Christophe Gerber

Christophe Gerber

General Manager ELCASecurity

HIN: Christophe Gerber, herzlichen Dank für Ihre Zeit. Steigen wir direkt ein: Welchen Nutzen hat die Zusammenarbeit mit HIN für ELCA?

Christophe Gerber: Für ELCA ist die Zusammenarbeit von grossem strategischem Nutzen, da sie zwei komplementäre Stärken zusammenbringt: Die etablierte Vertrauensinfrastruktur und Nähe von HIN zum Gesundheitswesen sowie die technologische Kompetenz von ELCA in den Bereichen digitale Identitäten, Sicherheit und Integration. Gemeinsam können wir sichere, datensouveräne und praxistaugliche Identitätslösungen anbieten, die den hohen Anforderungen von Patientinnen und Patienten sowie von Gesundheitsfachpersonen gerecht werden und die digitale Transformation im Gesundheitswesen nachhaltig unterstützen.

Sie betonen den strategischen Nutzen. Verraten Sie uns die generelle Strategie von ELCA in Bezug auf digitale Identitäten und speziell dann auch fürs Gesundheitswesen?

Insgesamt sind digitale Identitäten ein zentraler Bestandteil der digitalen Grundinfrastruktur eines Landes. Unsere Vision ist, dass diese Identitäten sicher, benutzerfreundlich und datensouverän sein müssen – im Gesundheitswesen gilt dies in besonderem Mass.
Die Identitäten von Patientinnen und Patienten müssen einen exklusiven Zugriff für diese selbst oder für ausdrücklich von ihnen autorisierte Personen gewährleisten. Für Gesundheitsfachpersonen wiederum müssen digitale Identitäten sicherstellen, dass nur berechtigte Personen medizinische Informationen verändern dürfen und dass die Nachvollziehbarkeit sowie die Historie eines Patientendossiers jederzeit gewährleistet sind.

Mit der Zusammenarbeit werden auch Entwicklungen im Gesundheitswesen erwartet. Auf was dürfen sich HIN Mitglieder zu Beginn einstellen?

In einem ersten Schritt erhalten die HIN Mitglieder  einen neuen HIN Client. Ziel dieser ersten Etappe ist ein sanfter Übergang für die Nutzerinnen und Nutzer: Bewährte Funktionen bleiben erhalten, während im Hintergrund moderne Sicherheits‑ und Authentifizierungsstandards eingeführt werden. Was heute gut funktioniert, wird bewusst nicht verändert – gleichzeitig werden Best Practices der technologischen Modernisierung umgesetzt. Dieser Schritt legt den Grundstein für die Weiterentwicklung der Authentifizierung im Gesundheitswesen. Auf dieser Basis werden in den nächsten Etappen weitere Verbesserungen folgen, etwa in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit und zukünftige digitale Gesundheitsdienste – stets mit dem Fokus auf einen einfachen und sicheren Arbeitsalltag für Gesundheitsfachpersonen.

Hat ELCA jetzt Einblick in die Daten von HIN Mitgliedern?

Nein. ELCA ist für die technische Durchführung der Identifikation und Authentifizierung verantwortlich. Die Datenhoheit bleibt dabei vollständig bei HIN sowie bei den jeweiligen Gesundheitsfachpersonen. Das System wird in einem ELCA‑Rechenzentrum in der Schweiz betrieben, wo die Daten sicher gespeichert und verschlüsselt sind. ELCA hat keinen Zugriff auf die Inhalte der Identitätsdaten, sondern stellt ausschliesslich den sicheren technischen Betrieb der Authentifizierungsplattform sicher.

Wenn es um digitale Identitäten geht, kommt man seit der Volksabstimmung zur e-ID nicht um dieses Thema herum. Inwiefern sind ELCA und HIN vom Ja an der Urne betroffen?

Es ist wichtig zu betonen: Die staatliche e‑ID wird die HIN eID nicht ersetzen, sondern sie sinnvoll ergänzen und unterstützen, beispielsweise als Alternative zur Videoidentifikation, wenn jemand erstmals eine HIN eID erwirbt. Das hat damit zu tun, dass die staatliche e-ID einen einzigen Zweck hat, nämlich sich im digitalen Raum auszuweisen und nicht für ein Login. Die HIN eID ist währenddessen nicht nur ein digitaler Ausweis, sondern auch der Zugangsschlüssel – die sichere Login-Methode – für diverse Applikationen im Schweizer Gesundheitswesen, zu denen ohne HIN eID kein Zugang gewährt wird.

Der neue HIN Client steht also in den Startlöchern. Geben Sie uns zum Schluss noch Beispiele mit an die Hand, wie HIN Mitglieder in Zukunft konkret davon profitieren werden?

Ich möchte noch nicht zu viele Details offenlegen, aber beispielsweise werden HIN Mitglieder von einem erhöhten Vertrauenslevel des HIN Client profitieren. Wo heute noch ein zweiter Faktor für ein Login erforderlich ist, wird ein solcher mit dem neuen HIN Client nicht mehr notwendig sein.

Perspektivisch sind darüber hinaus Weiterentwicklungen in Richtung elektronische Signatur und automatische Identifikation geplant – mit dem klaren Ziel, administrative Prozesse zu reduzieren und die digitale Zusammenarbeit im Gesundheitswesen nachhaltig zu stärken.

Logo ELCA

Über ELCA

Die ELCA Group, gegründet im Jahr 1968, bringt jahrzehntelange Erfahrung an der Spitze der IT-Dienstleistungsbranche. Mit über 2’300 Expertinnen und Experten ist ELCA einer der führenden unabhängigen Schweizer IT-Dienstleister. ELCA ist spezialisiert auf IT-Consulting, Cybersecurity, Cloud, Data & AI, Digital Experience, Softwareentwicklung, Business Applikations- und Systemintegration. Das Unternehmen unterstützt Kunden aus zahlreichen Branchen dabei, im digitalen Zeitalter wettbewerbsfähig zu bleiben.

Patrik Schnellmann
Autor: Patrik Schnellmann - Produktmanager

Als Produktmanager berichte ich im HIN Blog über Themen zwischen IT und Wirtschaft. Da ich in meiner Laufbahn bereits bei verschiedenen Anbietern von Identitätsprovidern Erfahrungen gesammelt habe, heissen meine Hauptthemen auch bei HIN digitale Identitäten, Authentisierung, Autorisierung und generell sicherer Zugriff auf Anwendungen. Besonders wichtig ist mir bei IT-Produkten der Kundennutzen und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit, was ich in meinen Texten im HIN Blog zum Ausdruck bringen möchte.

Expertise
Als Produktmanager bewege ich mich zwischen IT und Wirtschaft, habe Informatik studiert und bei der ETH eine betriebswirtschaftliche Management Weiterbildung absolviert. In meiner Laufbahn habe ich bereits bei verschiedenen Anbietern von Identitätsprovidern Erfahrungen gesammelt wie auch in Innovationsprojekten. Besonders wichtig ist mir bei IT-Produkten der Kundennutzen und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit.

Redaktionelle Inhalte
Meine Themen im HIN Blog bewegen sich im Umfeld von Identitäten, Authentisierung, Autorisierung und generell der Sicherheit beim Zugriff auf Anwendungen.

Ganz persönlich
Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie beim gemeinsamen Geniessen von Essen aus aller Welt oder beim Reisen. Wenn der Frühling kommt, geht für mich die Fahrradsaison los:  Dann bin ich gerne mit dem Gravelbike im Wald unterwegs oder mit dem Rennrad auf der Strasse.

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