Erstes Treffen der Begleitgruppe Verbände: digitale Transformation geht nur gemeinsam
Anfang April hat HIN erstmals Vertreterinnen und Vertreter ihrer erweiterten Trägerschaft zum Austausch eingeladen. Das Treffen markiert den Auftakt einer neuen Dialogplattform, der «HIN Begleitgruppe Verbände», die darauf abzielt, die digitale Transformation im Schweizer Gesundheitswesen kooperativ und im Interesse der Leistungserbringer zu gestalten.
In Bern trafen sich am 3. April 2025 Vertreterinnen und Vertreter der erweiterten Trägerschaft von HIN zum ersten Treffen der HIN Begleitgruppe Verbände. Ziel des Austauschs war es, aktuelle Digitalisierungsthemen zu diskutieren und das gegenseitige Verständnis sowie die Vernetzung untereinander zu fördern. Die rund zwei Dutzend anwesenden Exponentinnen und Exponenten von nationalen Berufs- und Fachverbänden des Schweizer Gesundheitswesens und die Expertinnen und Experten von HIN setzten sich mit zwei inhaltlichen Schwerpunkten auseinander: der Einführung einer staatlichen E-ID ab 2026 sowie den unterschiedlichen Digitalisierungsstrategien der beteiligten Verbände.
E-ID als Modellfall für die Zusammenarbeit zwischen Politik und Gesellschaft
Nationalrat Gerhard Andrey eröffnete den Tag mit einem Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der staatlichen E-ID. Er erinnerte an das 2021 wuchtig abgelehnte Bundesgesetz zur E-ID (BGEID) und das anschliessend veränderte Vorgehen beim «zweiten Versuch». Dabei betonte er, dass die Diskussion inzwischen nicht mehr um das «Ob», sondern nur noch um das «Wie» geführt werde. Den gewählten partizipativen Prozess hob er als vorbildlich für weitere aktuelle und zukünftige regulatorische Projekte in anderen Politikbereichen hervor, im Gesundheitswesen etwa das Programm Digisanté. In der anschliessenden Fragerunde kam die Diskussion auf, inwiefern die Infrastruktur der E-ID auch Impulse beispielsweise für das elektronische Patientendossier (EPD) bieten könne.
«Der partizipative Ansatz der E-ID kann Vorbild für die Digitalisierung im Gesundheitswesen sein.»
Christian Heimann, Fachspezialist E-ID vom Bundesamt für Polizei Fedpol, ergänzte die Perspektive aus operativer Sicht und stellte die E-ID als digitalen Ausweis vor, dessen Ausstellung sowohl online als auch persönlich am Schalter erfolgen kann. Genutzt werden kann die E-ID über die swiyu-App, eine Wallet-App des Bundes, mit der Bürgerinnen und Bürger sowie Personen mit Aufenthaltsberechtigung in der Schweiz elektronische Nachweise aufbewahren und vorzeigen können. Dies ermöglicht beispielsweise die rein digitale Eröffnung eines Bankkontos oder den Abschluss eines Mobiltelefon-Abonnements – und auch den Nachweis eines Ausbildungsdiploms oder einer Berufsausübungsbewilligung.
«Jetzt ist der Moment, mit der Entwicklung konkreter Anwendungsfälle für die e-ID und weiterer elektronischer Nachweise zu starten, um Mehrwert zu schaffen und Prozesse zu vereinfachen.»
Verbände setzen auf bedarfsgerechte Digitalisierung
Esther Kraft von der FMH präsentierte die Digitalisierungsstrategie ihres Verbands, der sich für eine «bedarfsgerechte und nutzenbringende Digitalisierung» einsetzt. Diese soll insbesondere den medizinischen Versorgungsalltag entbürokratisieren und dabei stets den Mehrwert für Ärzteschaft und Patienten im Blick haben. Kraft betonte die Bedeutung von Faktoren wie Veränderungskompetenz, Zusammenarbeit und Datenkompetenz für eine erfolgreiche Transformation.
«Digitale Transformation darf kein Selbstzweck sein – entscheidend ist der Mehrwert für Gesundheitsfachpersonen und ihre Patienten.»
Cornelis Kooijman von Spitex Schweiz zeigte auf, wie heterogen der Digitalisierungsgrad in den rund 400 Organisationen der Nonprofit-Spitex derzeit noch ist. Die Herausforderungen liegen neben der Vermeidung von Datensilos auch in einem angemessenen Tempo der Digitalisierung und der notwendigen Sensibilität, da entsprechende Veränderungen bei den Mitarbeitenden Stress erzeugen können. Der nationale Dachverband hat sich zum Thema Digitalisierung bislang keine umfassende Strategie gegeben, sondern konzentriert die beschränkten Ressourcen auf konkrete Projekte mit hoher Priorität.
Maria Rosa Joller vom Schweizer Berufsverband der Pflegefachpersonen (SBK) und Martina Hachen, Chief Nursing Information Officer der Insel Gruppe, setzten ihren Fokus auf strukturierte Datenerfassung und Interoperabilität. Sie plädierten für eine Standardisierung und eine interprofessionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe, um die Pflegequalität zu sichern und dem Fachkräftemangel effektiv entgegenzuwirken. Beide wiesen darauf hin, dass Digitalisierung nicht nur technologische, sondern vor allem kulturelle Veränderungen erfordert.
«Der Erfolg digitaler Transformation hängt davon ab, dass wir eine gemeinsame Sprache finden und so die Versorgungsqualität sichern.»
Gemeinsame Erkenntnisse und Ausblick
In der abschliessenden Diskussion kristallisierte sich heraus, dass digitale Transformation nur durch Zusammenarbeit und gemeinsamen Standards erfolgreich sein kann. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass kulturelle Veränderung und interprofessionelle Zusammenarbeit entscheidend für nachhaltige Erfolge sind. HIN sieht sich dabei in der Rolle eines Fazilitators, der Akteure aus Gesundheitsberufen und IT zusammenbringt und sie bei der Entwicklung einer gemeinsamen Sprache unterstützt. Gleichzeitig wird die sichere Vernetzung sowie die vertrauensvolle Authentifizierung von Fachpersonen und Organisationen auch in Zukunft eine zentrale Aufgabe von HIN bleiben.
Das Treffen endete mit dem gemeinsamen Wunsch, die Digitalisierung im Gesundheitswesen kooperativ zu gestalten – mit Fachkräften und Patienten nicht als Betroffenen, sondern als aktiv Beteiligten der Transformation.